Kategorie: News

  • Queere Ringvorlesung 2025

    Der AK Gleichstellung der Verfassten Studierendenschaft veranstaltet im Laufe des Monats mehrere Vorträge, die queere Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Wir freuen uns auf euch!

    Dienstag, 03.06. 18:15, Kupferbau HS 22:

    Zurück in die Zukunft? – Schwules L(i)eben zwischen Verbürgerlichung und neuen Herausforderungen

    Referenten: Martin Thiele, Herr Duleem Ameen-Haji

    Julia Fechner (Orga), Prof. Manfred Hallschmid (Orga)  (Medizin) 

    Um was geht’s?

    Ausgehend von einem gesellschaftsgeschichtlichen Rückblick auf die AIDS-Krise der Achtziger-Jahre wollen wir uns an diesem Abend schwulem Leben und Lieben widmen und dabei nicht zuletzt die gegenwärtige HIV-Aufklärungsarbeit mit Personen mit Migrationshintergrund in den Blick nehmen. Aus der AIDS-Krise ist die ursprünglich radikal-emanzipatorische Schwulenbewegung im Laufe der Zeit zwar dezimiert, aber auch als einflussreiche reformorientierte Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen. Gesellschaftspolitische Meilensteile wie die Ehe für alle und die rechtliche Gleichstellung gelten einerseits als Ausweis erfolgreichen Ankommens in der Mehrheitsgesellschaft, werden jedoch andererseits als Symptome eine institutionellen Disziplinierungsprozesses kritisiert. Heute sieht sich die AIDS-Präventionsarbeit zudem mit neuen Herausforderungen konfrontiert, wie sie die Aufklärung und Unterstützung von Männern, die Sex mit Männern haben, aus anderen Kulturkreisen darstellt. In den letzten Jahren hat darüber hinaus eine Erweiterung und Verschiebung des Diskurses über nicht-heteronormative Lebens- und Liebesentwürfe im Sinne von LGBTQ+ stattgefunden.

    Unsere Referenten Martin Thiele von der AIDS-Hilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e.V., der mehrere Erörterungen zur Geschichte der Schwulenbewegung im Zeichen von AIDS vorgelegt hat, und Duleem Amen-Haji, der als Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Stuttgart Aufklärungsarbeit für Jugendliche leistet, werden vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen eine Standortbestimmung versuchen und freuen sich auf eine rege Diskussion.

    Mittwoch, 04.06., 18:15, Kupferbau HS 22

    „Und siehe, es war sehr divers“ – Queerness in der Kirche und queere Theologie

    Referent*innen: Elizabeth Böckler, Michael Schüßler

    Um was geht’s?

    Queere Erfahrungen mit Theologie und Kirche stehen in einem Spannungsfeld: auf der einen Seite offene Diskriminierung oder das Gefühl, die queere Identität in einer ‚Kirche der Angst‘ verstecken zu müssen; auf der anderen empowernder Aktivismus – etwa durch die Aktion #OutInChurch – oder befreiende Theologien. Eine solche Theologie, die ihren Startpunkt bei marginalisierten Erfahrungen setzt, besprechen wir am Beispiel Marcella Althaus-Reids. In ihrer ‚unanständigen Theologie‘ dreht sie den Spieß um und nutzt den Moment der Irritation als Methode: Eigentlich beschämende Zuschreibungen werden  dekonstruiert und produktiv-empowernd angeeignet.

    Außerdem soll es um die queere Lesart zweier bekannter biblischer Narrative gehen: erstens die Schöpfungsgeschichte, in der so oft die Binarität von Männlich- und Weiblichkeit begründet wird; zweitens um die ‚Sprachverwirrung‘ in Babel, die zu oft als göttliche Strafe gelesen wird. Eine queere Interpretation setzt dem alternative und subversive Deutungen entgegen.

    Mittwoch, 25.06. 18:15, Kupferbau HS 24: 

    Das paradoxe Geschlecht – Nicht-Binarität im Spannungsfeld von Körper, Leib und Kategorisierung

    Referent*in: Elena Erstling (sie/they)

    Um was geht’s?

    Nicht-Binarität – was ist das eigentlich? Was macht die Erfahrung aus, ‚nicht-binär zu sein‘? Welche Rolle spielt dabei der Körper, das leibliche Erleben? Und wie steht das alles in Zusammenhang mit Transgeschlechtlichkeit?

    Im Rahmen der Ringvorlesung wird eine soziologische Perspektive zur Beantwortung dieser Fragen gezeichnet. Elena Erstling stellt Nicht-Binarität als geschlechtliche Kategorie heraus, die aktuell im Entstehen begriffen ist. Dies wird verknüpft mit leibphänomenologischen Überlegungen zur Unterscheidung von Körper und Leib und damit ein Einblick gegeben in das laufende Promotionsvorhaben

  • Stellungnahme zum Erfolg der Universität Tübingen in der Exzellenzstrategie

    Bei der 17. Sitzung des zwölften Studierendenrats am 26.05.2025 stimmten die anwesenden Mitglieder folgender Stellungnahme mehrheitlich zu.

    Der Studierendenrat (StuRa) der Universität Tübingen nimmt Stellung zum aktuellen
     Erfolg der Universität Tübingen im Rahmen der Exzellenzstrategie:

    Die Verfasste Studierendenschaft gratuliert den Forscher*innen der sechs bewilligten Exzellenzcluster an der Universität Tübingen. Dieser Erfolg unterstreicht die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Exzellenzcluster – bringt jedoch auch erhebliche Herausforderungen für die Universität mit sich.

     Aus unserer Sicht muss jetzt verhindert werden, dass die gestiegene Forschungsförderung zu Lasten der Lehre geht. Die ohnehin hohe Belastung von Lehrenden wird durch zusätzliche Forschungsaktivitäten weiter steigen. Um eine qualitativ hochwertige Lehre aufrechtzuerhalten, braucht es neue Stellen sowohl in der Lehre als auch in der Verwaltung. Hier stehen nicht nur die Universität, sondern auch das Land Baden-Württemberg in der Verantwortung, entsprechende Ressourcen bereitzustellen.

     Zudem wird die angekündigte Schaffung von 600 bis 1000 neuen wissenschaftlichen Stellen unmittelbare Auswirkungen auf die Stadt und Region haben. Schon heute ist die Wohnraumsituation in Tübingen extrem angespannt. Ein weiterer Zuzug von Akademiker*innen, die oft finanziell besser als Studierende aufgestellt sind, könnte die Mieten weiter steigen lassen. Die Folge ist, dass Studierende und Menschen mit geringem Einkommen zunehmend verdrängt werden.

     Wir fordern daher das Land Baden-Württemberg, den Landkreis Tübingen, die Stadt Tübingen, das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim sowie die Universität auf, frühzeitig wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu gewährleisten. Ein Studium in Tübingen darf nicht zur Frage des Geldbeutels werden.

    Grundsätzlich steht die Verfasste Studierendenschaft der Exzellenzstrategie kritisch gegenüber. Statt eines konkurrenzorientierten Wettbewerbs zwischen Universitäten fordern wir eine strukturelle Stärkung des gesamten Hochschulsystems – durch auskömmliche Grundfinanzierung und faire Rahmenbedingungen für Lehre und Studium.

  • Aktionswoche zum Holocaust-Gedenktag

    Die Aktionswoche zum Holocaust Gedenktag findet das 3. Jahr von der Verfassten Studierendenschaft organisiert statt. Ziel ist einerseits das Erinnern, aber auch andererseits, einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen.

    Hier könnt ihr euch über alle Veranstaltungen informieren.

  • Kundgebung zur Hochschulfinanzierung

    Eines der wichtigsten und aktuellsten Themen für die Uni und uns als Studis ist die Hochschulfinanzierung.

    Momentan laufen Verhandlungen zwischen der Landesrektoratekonferenz (LRK) und dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium (MWK) über die neue Hochschulfinanzierungsvereinbarung III (HoFV III), die ab dem 01.01.2026 gelten soll.

    Bisher war die Hochschulfinanzierung des Landes von Sparmaßnahmen innerhalb einer Legislaturperiode ausgenommen. Diese Garantie soll es zukünftig nicht mehr geben, während die Universitäten aber gleichzeitig massive Kostensteigerungen für Personal, Heizen, Strom und Unterbringung hinnehmen müssen.

    Tatsächlich hätte das bisherige Angebot des MWK gravierende Auswirkungen auf die Qualität von Forschung und Lehre. Es würde zwangsweise zu Streichungen und verzögerten Wiederbesetzungen von Stellen kommen, denn Gebäude und Infrastruktur können nicht einfach stillgelegt werden.

    Genauer: Die Finanzmittel für die Hochschulen sollen ab 2026 nur noch um 0,4 steigen. Um die letzte Inflation auszugleichen benötigt es allerdings eine Steigerung von 6 % – das wird in der neuen Hochschulfinanzierungsvereinbarung nicht berücksichtigt.

    Universitäten stehen als Institutionen für Wissenschaft, Ausbildung von Fachkräften, Internationalität, Demokratie und sozialen Frieden oder auch für Zukunftstechnologien etwa zum Erreichen der Klimaneutralität, weshalb gerade hier nicht am Geld gespart werden darf.
    Vielmehr benötigen die Universitäten eine solide nachhaltige Finanzierung, die ihnen Planungssicherheit gibt und ihre Fähigkeit zur Transformation erhält. Dafür kämpfen wir als Studierende und Universität(en)!

    Unsere Aktionen:

    Mittwoch, 13.11.2024, 13:00 Uhr: Kundgebung von Studierenden auf dem Geschwister-Scholl-Patz vor der Neuen Aula in Tübingen, um die Landesregierung nochmals mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass Investitionen in die Wissenschaft Investitionen in die Zukunft sind.

    Freitag 15.11.2024, 12 Uhr: Zentrale Kundgebung und Demo in Stuttgart (Ort: Stadtgarten) Studierende & Beschäftigte von allen Hochschulen im Land reisen an, um ihren Forderungen nach einer soliden und zukunftsfähigen Hochschulfinanzierung Nachdruck zu verleihen, wenn der Finanzausschuss tagt.
    Die Tübinger Studis treffen sich hierfür um 10 Uhr ct. am Bahnhof Tübingen, um gemeinsam mit der Bahn anzureisen.

  • Statement zum Tübinger Missbrauchsfall

    Thematisiert wurde der Missbrauchsfall in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum auch schon in der studentischen Vollversammlung am 17.07.2024. Diese hat mit großer Mehrheit für die Positionierung der Verfassten Studierendenschaft (VS) gestimmt: eine Solidarisierung mit allen Betroffenen von psychischer und physischer Gewalt.

    Das komplette Statement findet ihr jetzt unter www.vs-tuebingen.de/stellungnahmen-pms.

  • Gruppen und Initiativen rund um die Universität eröffnen das Semester

    Vom 18.10. bis 27.10. organisieren zahlreiche Tübinger Gruppen wieder gemeinsam Veranstaltungen zur Ernst-und-Karola-Bloch-Woche. Gemeinsames Ziel ist es, einen kritischen Blick auf Hochschule und Gesellschaft zu werfen sowie konkrete Utopien statt Krisen-Panik aufzuzeigen. 

    „Die Veranstaltungen stehen dieses Jahr unter dem Motto Nichts vergessen, alles verwandeln“, erklärt Johanna Grün vom organisierenden Arbeitskreis „Ernst und Karola Bloch Woche“. „Um erfolgreich für eine Zukunft zu streiten, in der wir die Herausforderungen des Klimawandels, sozialer Fragen und Status Quo begegnen, müssen wir auch wissen, woher wir kommen. Nur im Wissen um Vergangenes können wir unsere Gegenwart verstehen und eine Zukunft bauen.“

    „Ein lebendiges kollektives Gedächtnis kann uns auch davor schützen, auf falsche Versprechungen von Rechtsaußen und Verschwörungsgläubigen reinzufallen“, ergänzt Hannah Herbst „Es reicht dabei nicht, wie wir das gerne an unserer Uni machen, aus klugen Büchern zu lernen. Wir müssen unsere eigenen Erfahrungen machen, mit unseren Kommiliton*innen diskutieren und auch aus der akademischen Blase ausbrechen.“

    Das Programm der Blochwoche ist dieses Jahr wieder bunt gemischt. Mehrere Stadtführungen zeigen Tübingen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Einem wohnpolitischen – organisiert vom Wohnraumbündnis –, einem konsumkritischen – von  Act for Animals und Weltbewusst –, einem antifaschistischen – von Input – und einem queeren – von Amnesty. Zum Programm gehören auch Veranstaltungen zu den Themen Kapitalismus und Klimakrise, dem Umgang mit dem Patriarchat und der Black Metal Szene. Auch ein Besuch des Infoladens und ein kritischer Kleidertausch gehören zum Programm. Besonders freuen wir uns auf den Journalisten Leon Enrique Montero, der einen Einblick in die „konservativen Parallelgesellschaft“ rechter Burschenschaften geben will.

    Herzstück der Blochwoche ist der Alternative Dies, der seit rund 20 Jahren aus Kritik am farbentragenden Getümmel auf dem Dies Universitatis veranstaltet wird. Der AlDi ist dabei selbstbestimmt und selbstorganisiert aus der Studierendenschaft heraus und zeigt, wie vielfältig und bunt die Universität und Tübingen sind, abseits von überkommenden Hierarchien, Trinkzwang und Uniformen. Über 30 Gruppen und Initativen wollen sich ab 16 Uhr neuen und alten Studierenden vorstellen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Daneben wird es kleine Workshops geben, ein Essensangebot gegen Spende (ab 19 Uhr) und im Anschluss findet das erste Clubhausfest statt.

    Auch das Zimmertheater ITZ lädt zum Kennenlernen ein. Für nur 5 Euro mit Freigetränk, statt der sonst ermäßigten 9,50 Euro, kommen Studierende während der Blochwoche mit dem Code „Prinzip Hoffnung“ in die Vorstellungen von “Das Universum bleibt ’ne Nullnummer“. 

    Die Blochwoche umfasst rund 20 Veranstaltungen unterschiedlicher Gruppen und Initiativen vom Dienstag, 18. Oktober, bis einschließlich Donnerstag, 27. Oktober 2022. Das vollständige Programm findet sich online auf www.blochwoche.org sowie an vielen Orten als gedrucktes Programmheft. Wir laden insbesondere Studienanfänger*innen ein, die Universität und die Stadt, in die sie kommen, nicht nur kennen zu lernen, sondern auch aktiv mitzugestalten. 

    Ansprechpartner*innen über:

  • Who the fuck is Eberhard Karl?

    Ein Herzog des ausgehenden Mittelalters vertreibt die Jüd*innen aus seinem Herrschaftsgebiet und verbietet seinen Untertan*innen, sie jemals wieder ansiedeln zu lassen. Knapp drei Jahrhunderte später vermietet ein Absolutist arme Untertanen an andere Länder und Unternehmen als Soldaten, die in Kolonialkriege verwickelt werden und nur zum kleinen Teil lebendig zurückkehren – ein Kritiker an dieser Praxis wird für 10 Jahre eingesperrt. Was die beiden Monarchen miteinander zu tun haben? Beide werden heute im Namen unserer Universität – der Eberhard Karls Universität Tübingen – geehrt.

    Wer die beiden waren, warum dieser Name gerade heiß diskutiert wird und wie die Verfasste Studierendenschaft dazu steht – das alles und mehr erfährst du hier.

    Worum dreht sich die derzeitige Diskussion in der Universität und der Stadt?

    Es geht um die Frage nach dem Namen der Universität Tübingen. Bisher heißt sie „Eberhard Karls Universität“ nach ihrem Gründer Herzog Eberhard I. im Bart und dem späteren württembergischen Herzog Karl Eugen. Manche Gruppen wie wir, die Verfasste Studierendenschaft (https://www.stura-tuebingen.de/termin/digitale-stura-sitzung-am-06-07-2020/), und die Jüdische Studierendenunion Deutschland (https://www.facebook.com/JSUDeutschland/posts/pfbid0j9RYTN67cQaT6FiTXV9ytse6krDoC1ka8mJjzWkxeFrtCYJc6Z9VdEjaB3BVPqKKl) fordern, die beiden Monarchen aus dem Namen zu streichen und die Universität einfach „Universität Tübingen“ zu nennen – die Gründe findest du hier. 

    Ist diese Forderung neu?

    Die erste – uns bekannte – Forderung nach einem anderen Namen kam 1977 nach dem Tod Ernst Blochs auf. Die Studierendenschaft forderte damals und noch viele Jahrzehnte später die Umbenennung der Tübinger Universität in „Ernst-Bloch-Universität“. Damals ging es aber nicht – im Unterschied zu heute – primär um die Kritik an Eberhard und Karl, sondern um eine Ehrung des Philosophen Bloch. Außerdem steht in der jetzigen Debatte eine Benennung nach einer anderen Person gar nicht im Raum, sondern lediglich die Streichung des Namensteils „Eberhard Karls“.

    Wie kam es zu der aktuellen Debatte?

    Im Juli 2020 beschloss die Verfasste Studierendenschaft, sich für die Streichung des Namensteils „Eberhard Karls“ und für einen demokratischen Namensfindungsprozess einzusetzen (https://www.stura-tuebingen.de/termin/digitale-stura-sitzung-am-06-07-2020/). Die Forderung wurde damals vom Senat der Universität abgelehnt. Nach öffentlichem Druck, u. a. durch den Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg Michael Blume und die Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Württemberg (JSUW) Hannah Veiler entschied sich das Rektorat dazu, dem Senat vorzuschlagen, eine Kommission mit der Erstellung eines Gutachtens bezüglich der beiden Namensgeber zu beauftragen. Dieses Gutachten ist mittlerweile veröffentlicht und hier (https://uni-tuebingen.de/de/231839) zu finden.

    Wer kann über den Namen entscheiden?

    Der Name der Universität ist in der Universitätsgrundordnung (https://uni-tuebingen.de/de/443) festgelegt. Eine Änderung erfolgt daher durch eine Änderung an dieser Grundordnung, die mit einer 2/3-Mehrheit durch den Senat, das gewählte höchste Gremium der Universität, vorgenommen werden kann. Dort sitzen derzeit 35 Stimmberechtigte (https://uni-tuebingen.de/de/11691), d. h. es müssten mindestens 24 Senator*innen für eine Umbenennung stimmen. Höchstens 11 dürften dagegen stimmen oder sich enthalten.

    Was ist die Position der Verfassten Studierendenschaft?

    Wir als Verfasste Studierendenschaft fordern die Streichung des Namensteils „Eberhard Karls“ zugunsten der Bezeichnung „Universität Tübingen“. Wir finden: Eine demokratische Universität in einer demokratischen Gesellschaft braucht sehr gute Gründe, um Einzelpersonen durch Namensgebung eine dermaßen große Ehre zu erweisen. Diese Gründe sehen wir weder bei Herzog Eberhard I. noch bei Herzog Karl Eugen in ausreichendem Maße, dafür aber sehr viele Gründe gegen eine Benennung nach ihnen (siehe unten für mehr). Nicht zuletzt repräsentieren beide historischen Personen eine Regierungsform, die unserer heutigen – der Demokratie – radikal entgegensteht.

    Fordert ihr einen anderen Namen wie z. B. „Ernst-Bloch-Universität“ oder Ähnliches?

    Nein. Während die Studierendenschaft und viele andere Gruppen in der Vergangenheit diesen Namen gefordert haben – was wir würdigen und respektieren -, hat die Verfasste Studierendenschaft diesmal keine*n neue*n Namensgeber*in vorgeschlagen. Im aktuell angestoßenen Prozess geht es außerdem um die Streichung eines Namensteils, nicht um eine Neubenennung, daher ist die Frage nach einer möglichen Alternative uninteressant und auch politisch nicht machbar.

    Wer war eigentlich dieser „Eberhard Karl“?

    Obwohl es aus dem Namen nicht direkt hervorgeht, ist die Universität Tübingen nicht nach einer, sondern nach zwei Personen benannt. Unter Graf Eberhard V. im Bart (1445-1496, ab 1495 Herzog Eberhard I.) wurde die Universität im Jahr 1477 gegründet, was die Stadtgeschichte unter vielen Aspekten stark beeinflusste – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. So profitierten das Umland und die Stadt selbst wirtschaftlich von der Universitätsgründung und gewannen an Relevanz. Zugleich veranlasste Eberhard bei der Gründung aber auch, dass die jüdischen Einwohner*innen der Stadt ihr Wohnrecht verloren; In seinem Testament weitete er dies auf sein gesamtes Herrschaftsgebiet Württemberg aus (siehe unten).

    Der zweite Namensgeber ist Herzog Karl Eugen (1728-1793), der die Universität finanziell unterstützte und ausbaute, sich selbst 1767 zum „rector perpetuus“ – zum ewigen Rektor – ernannte; Zwei Jahre später gab er der Universität den Doppelnamen. Karl Eugen vermietete in seiner Amtszeit als absolutistischer Herrscher aber auch Untertan*innen an andere Länder und Unternehmen, die diese für kolonialistische Kriege benutzten (siehe unten mehr).

    Seit 1769 ist unsere Universität also nach Eberhard und Karl benannt – ohne, dass es seither je eine breite Diskussion über diese Namensgebung gab.

    Warum ist die Universität nach Eberhard benannt?

    Vom Spätmittelalter bis in das 19. Jahrhundert war es im deutschen Raum üblich, Universitäten nach ihren Gründern zu benennen (Kommission 2022, 2-3). Das war für die Herrscher erstens auf einer weltlichen Ebene wichtig, weil eine solche Universitätsgründung mit viel Prestige verbunden war, zweitens auf einer religiösen, denn nicht nur zum – scheinbaren oder tatsächlichen – Wohle des Landes zu handeln galt als fromm, sondern auch die Ausbildung neuer Theologen, die das Christentum predigen und weiterverbreiten sollten. So war auch klar, dass die neue Universität in Tübingen nach Herzog Eberhard I. im Bart benannt würde. Denn auch wenn Eberhards Mutter Mechthild von der Pfalz vermutlich einen starken Einfluss auf die Gründung hatte (Kommission, 5-6) und viele weitere Personen beteiligt und relevant waren, ging die Ehre dafür allein auf ihn als den Monarchen über.

    Und warum ist die Benennung nach ihm für euch ein Problem?

    Im sog. Freiheitsbrief, den Eberhard der Universität bei ihrer Gründung 1477 ausstellte, befahl er der Stadt Tübingen (nach dem Vorbild von Erzherzog Albrecht VI. bei der Gründung der Universität Freiburg) Folgendes: 

    „Wir wöllent ouch und gebieten ernstlichen denen von Tüwingen, das sie kein juden, ouch sust keinen offen wucherer by in, in der stat oder in iren zwingen und bennen laussen wonhafft beliben.“

    Das bedeutet: Alle Jüd*innen, die noch in der Stadt wohnen, müssen sie verlassen. Durchgesetzt wurde das vermutlich einfach dadurch, dass keine neuen Schutzbriefe mehr ausgestellt wurden. Denn Jüd*innen im Württemberg des 15. Jahrhunderts waren darauf angewiesen, dass sie diese Schutzbriefe – eine Art Aufenthaltsgenehmigung – regelmäßig vom Herrscher ausgestellt bekamen. Wenn Eberhard sie nicht mehr ausstellte, erlosch also nach ein paar Jahren die Genehmigung zum Aufenthalt in Tübingen. Das Gutachten nennt dieses Prinzip „schleichende Ausweisung“. Dass das nicht nur ein „Ausrutscher“ von Eberhard war, zeigt eine Verordnung in seinem Testament von 1492. Dort schreibt er: 

    „Item es ist och unnser ordnung und letster will, das furohin unnser erben in unnser herrschaft kainen juden seßhafft wonen noch dehain gewerb tryben lassen.“

    Diese Formulierung wiederum findet sich auch bei seinem Onkel, Pfalzgraf Friedrich dem Siegreichen. Hier wird festgelegt, dass „furohin“, also in Zukunft, Jüd*innen weder wohnen noch arbeiten dürfen – in der gesamten Herrschaft Württemberg. Dieser Beschluss war sehr nachhaltig: Über Jahrhunderte hinweg wurden Jüd*innen aus Württemberg ausgeschlossen, in Tübingen konnte sich Leopold Hirsch als erster Jude erst 1855 das Bürgerrecht erstreiten, die Stadt galt im 19. und 20. Jahrhundert als antisemitische Hochburg. Auch das Gutachten stellt fest, dass dieses Testament eine „weitreichende Bedeutung für die von heftiger Judenfeindschaft geprägte Politik Württembergs seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert“ hatte.

    Wenn wir heute die Benennung unserer Universität nach Eberhard bestätigen, ehren wir damit aktiv auch diese jüd*innenfeindliche Politik des Herzogs und ihre katastrophalen Auswirkungen für die von der Vertreibung betroffenen Jüd*innen. Aus diesem Grund setzen wir uns dafür ein, dass sein Name aus dem Namen der Universität gestrichen wird.

    Waren damals nicht alle irgendwie antijüdisch eingestellt?

    Das gesamte europäische Hoch- und Spätmittelalter war wie auch die Neuzeit stark von Antijudaismus bzw. Antisemitismus geprägt. Pogrome in deutschen Städten, in der Pestzeit und während der Kreuzzüge, sog. Judenprozesse und Vertreibungen kamen immer wieder vor. Auch in der Kunst finden sich immer wieder antijüdische Darstellungen, im Württemberg unter Eberhard wurden einschlägige Bildnisse beispielsweise in der Tübinger und der Stuttgarter Stiftskirche sowie im Kloster Blaubeuren installiert, wie Stefan Lang (2008) beschreibt. Gleichzeitig gab es aber auch starke regionale Unterschiede – die jüdische Gemeinde in Worms beispielsweise konnte ein bis auf wenige Jahre durchgehendes Bestehen seit dem 11. Jahrhundert bis zum Faschismus zurückblicken, auch Kaiser Friedrich III. hatte in dieser Zeit eine deutlich liberalere Jüd*innenpolitik, ebenso der andere Württemberger Landesteil unter Ulrich V. – und auch Württemberg andere Töne: Johannes Reuchlin (1455-1522) beispielsweise kämpfte gemeinsam mit den sog. Dunkelmännern gegen die Verbrennung jüdischer Schriften und den Glauben an antijüdische Verschwörungstheorien an. 

    So oder so: Eberhard machte als Herrscher konkrete antijüdische Politik, die er direkt an die Universitätsgründung band und die dramatische Auswirkungen auf das Leben der damaligen Jüd*innen hatte. Selbst wenn er damit mehr oder minder im „Geist der Zeit“ handelte, ist dieser „Geist“ nicht mit unserer Universität von heute vereinbar. 

    Übernehmt ihr damit nicht die Deutung z. B. der Nazis, die in Eberhard ein antisemitisches Vorbild sahen?

    Aus dem Jahr 1938 stammt ein kleiner Prachtband (Württembergische Landesbibliothek 1938), in dem Eberhard u. a. wegen seiner „Judenpolitik“ gepriesen wird. Er dient als Legitimationsfigur für den Nationalsozialismus, der sich in Eberhards Tradition sieht. Diese Deutung Eberhards hin auf das „Ziel“ Faschismus ist natürlich grober Unfug, darüber gibt es gar keine Diskussion. Dennoch machen wir es uns zu leicht, wenn wir vor einer Einordnung Eberhards in den antijüdischen Zeitgeist zurückschrecken, aus Angst, faschistischen Autor*innen zuzustimmen. Im Gegenteil: Ihre Deutung ist überhaupt nicht notwendig (und vielen Universitätsangehörigen vermutlich noch unbekannter als seine Biographie selbst), um eine angemessene historische Einordnung vorzunehmen. In seiner Regierungszeit vertrieb Eberhard die Jüd*innen aus Tübingen und sorgte dafür, dass sie nach seinem Tod aus ganz Württemberg vertrieben wurden. Punkt. Dass die Nazis diesen Fakt für sich instrumentalisiert haben und ihn zu einer Kultfigur machten, ändert daran nichts.

    Eberhard hat doch auch viel geleistet, bspw. die Universität gegründet. Sollten wir ihm das nicht anrechnen?

    Ja, Eberhard hat – unter dem Einfluss seiner Mutter und vieler anderer Menschen aus seinem Umfeld – die Universität gegründet. Und er hat diese Gründung direkt mit der Vertreibung der Jüd*innen aus Tübingen verbunden. 

    Und was habt ihr gegen Karl?

    Herzog Karl Eugen (1728-1793) fällt mit seiner Regentschaft ab 1737 (mündig ab 1744) in die End- und Hochphase des Absolutismus. In der „Hohen Carlsschule“ ließ er begabte Kinder wie den jungen Friedrich Schiller gegen ihren Willen und den ihrer Eltern jahrelang einsperren. Schiller durfte in diesen sieben Jahren seine Familie nicht sehen und wurde gezwungen, im Anschluss Jura und Medizin zu studieren. (Müller, Häuser 2007) Der Gründer einer solchen Institution ist schon deshalb fragwürdig als Mitnamensgeber einer heutigen Universität.

    Gravierender ist der Menschenhandel, den er betrieb. Karl Eugen besserte seine Finanzen, die durch die Bauten großer und prächtiger Schlösser belastet waren, u. a. mit dem Verkauf von Soldaten auf. So überließ er ab 1781 gegen Zahlung mit dem sog. Kapregiment 3200 Soldaten der niederländischen Ostindienkompanie, die koloniale Interessen verfolgte. Die Bilanz war katastrophal: 7% der Soldaten überlebten nicht einmal die Überfahrt nach Kapstadt, ein großer Teil der übrigen Soldaten wurde auf Java im indischen Ozean im Stich gelassen. Insgesamt starben 72% aller Mitglieder des Regiments, gerade einmal 100-200 Menschen schafften es zurück nach Württemberg. 

    Als der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart diese Praxis kritisierte und eine zugegebenermaßen nicht gerade nette Kritik an dem Monarchen und seiner Mätresse Franziska von Hohenheim schrieb, wurde er von Karl Eugen für zehn Jahre in Festungshaft auf den Asperg gebracht. Erst nach einer Intervention Preußens und zahlreichen Protesten kam er wieder frei.

    Ein Absolutist, der seine Untertanen verkauft und in kolonialen Unternehmungen kämpfen lässt, der Kritik daran mit Festungshaft und Umerziehung bestraft, der Kinder in Internate sperrt, kann in unseren Augen nicht mit der Namensgebung unserer Universität geehrt werden. 

    Diese von uns an Karl Eugen kritisierten Punkte fallen wohlgemerkt in die zweite Phase seines Lebens, die in der Landeskunde traditionell als seine mildere verstanden wird.

    Aber das war doch normal, schließlich reden wir von der Zeit des Absolutismus!

    Im Absolutismus war es nicht unüblich, dass Herrscher ihre Untertanen als Soldaten an andere Länder verkauften. Bei diesen sog. Subsidienverträgen stand meist ein politisches Interesse im Hintergrund: Ein Herrscher konnte so z. B. einen Verbündeten zusätzlich unterstützen. Bei Karl Eugen ging es jedoch um rein finanzielle Interessen, wie Hans-Martin Maurer (1988) in seinem Artikel über das Kapregiment darlegt.

    Warum ist euch das überhaupt so wichtig? Es geht doch nur um einen Namen und heute weiß eh niemand mehr, auf wen sich der bezieht.

    Beim Namen einer Universität haben wir es mit einer Ehrung zu tun, d. h. mit dem Versuch, Normen und Sinn kollektiv zu setzen (vgl. Reeken, Thießen 2016). Bei einer solchen Ehrung werden die Leistungen, aber auch die Werte der geehrten Person gewürdigt – an dieser Stelle haben sie auch einen gewissen Zukunftsbezug, die Werte werden als nachzuahmend angesehen. 

    Wenn wir heute unsere Universität nach Eberhard und Karl Eugen benennen, nehmen wir eine solche Ehrung vor. In unseren Augen ist das – nach Betrachtung der Kritikpunkte an beiden Personen – auch nach der Zurkenntnisnahme ihrer Leistungen nicht zu rechtfertigen.

    Streicht ihr damit nicht auch die Erinnerung an die beiden Herrscher aus dem öffentlichen Gedächtnis und verhindert damit eine weitere kritische Auseinandersetzung?

    Nein. Mit einer Umbenennung würde die Ehrung Eberhards und Karl Eugens durch den Namen der Universität Tübingen wegfallen. Nicht mehr als das. 

    Damit bleiben sie interessante historische Personen und die Auseinandersetzung mit ihnen bleibt weiter spannend und wichtig. Das ist aber nicht vom Namen der Universität Tübingen abhängig. Im Gegenteil besteht die Chance, dass ihre Geschichte durch die Umbenennung einen neuen Bekanntheitsgrad erlangt – und das ist ja bereits jetzt mit der neuen Debatte der Fall. 

    Darüber hinaus kann und soll die Universität die Beschäftigung mit Eberhard und Karl Eugen – und auch gerne mit anderen für die Universitätsgeschichte relevanten Personen – aktiv gestalten, z. B. in Vortragsreihen, Professuren, Forschungsprojekten etc.

    Stimmt es, dass ihr die Stiftskirche abreißen wollt?

    Wo ist der Vorschlaghammer? (das ist natürlich ironisch gemeint)

    Literatur:

    – Württembergische Landesbibliothek: Graf Eberhard im Bart von Württemberg. Im geistigen und kulturellen Geschehen seiner Zeit, Stuttgart 1938.

    – Kommission zur Überprüfung des Namens der Universität: Gutachten über die historische Dimension des Namens „Eberhard Karls Universität Tübingen“. Drucksache des Senats der Universität Tübingen Nr. 12, 05.05.2022.

    – Lang, Stefan: Die Ausweisung der Juden aus Württemberg 1477-1498. In: Lorenz, Sönke; Schäfer, Volker (Hrsg.): Tubingensia. Impulse zur Stadt- und Universitätsgeschichte. FS für Wilfried Setzler zum 65. Geburtstag, Ostfildern 2008, S. 111-132.

    – Maurer, Hans-Martin: Das Württembergische Kapregiment. Söldner im Dienste früher Kolonialpolitik (1787–1808). In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 47 (1988), S. 291-307.

    – Müller, Martina M.; Häuser, Iris: 1759-1805. Friedrich Schiller. Menschen aus dem Land: 10/2007. Stuttgart 2007.

    – Reeken, Dietmar von; Thießen, Malte: Ehrregime. Perspektiven, Potenziale und Befunde eines Forschungskonzepts. In: Reeken, Dietmar von; Thießen, Malte (Hrsg.): Ehrregime. Akteure, Praktiken und Medien lokaler Ehrungen in der Moderne, Göttingen 2016, S. 11-29.

    Weitere Literaturempfehlungen:

    – Frey, Winfried: Antijudaismus. In: Kotowski, Elke-Vera u.a. (Hrsg.): Handbuch zur Geschichte der Juden in Europa, Bd. 2, Darmstadt 2001, S. 367-378.

    – Hayoun, Jonathan (Regie): Eine Geschichte des Antisemitismus. Arte F, 2022.

  • Pressemitteilung zur Stadtbahn

    Stellungnahme: StuRa spricht sich für Stadtbahn aus

    Der Studierendenrat der Universität Tübingen spricht sich für die Innenstadtstrecke der Regional-Stadtbahn Neckaralb aus.

    Für Student*innen in Tübingen hat die Planung zu einer RegioStadtBahn, wie sie im September 2021 zur Abstimmung steht, weitreichende Folgen.

    Student*innen sind eine für den ÖPNV in der Region wichtige Nutzer*innen-Gruppe. Eine bessere Anbindung der Universitätsgebäude an das Umland kann es leichter machen zu pendeln und so helfen, den Wohnungsmarkt in Tübingen zu entspannen. Angesichts der Verantwortung, welche die Universität für eine nachhaltige Zukunft trägt, ist der Transport von Student*innen und Mitarbeiter*innen eine der zentralen Fragen.

    Wie die Gutachten zeigen, ist eine Bahn dem reinen Busbetrieb, was Klimaauswirkungen und Ressourcenverbrauch angeht, überlegen. Die Gegenargumente, beispielsweise mögliche Schwierigkeiten für Radfahrer*innen – auch hier oftmals Student*innen –, sind wenig stichhaltig. Die Universität Tübingen stellt unter den Landesuniversitäten die Ausnahme dar, da ihre Student*innen gerade noch keine Stadtbahn nutzen können.

    Dennoch gibt es auch berechtigte Kritik an der RegioStadtBahn. Mehrere Generationen von Student*innen werden die Bauarbeiten aushalten müssen. Bestimmte Nutzung von Unigebäuden (bspw. empfindliche Forschung) muss verlegt werden. Bei Gesprächen zwischen Universität und Stadt wurden bereits Flächen als Bebauung besprochen, die aus Sicht des Studierendenrats von einer möglichen Bebauung verschont bleiben sollten (bspw. Käsenbachtal als Frischluftschneise und wichtiger Naturraum). Dieser Kritik stehen aber die massiven Vorteile einer Stadtbahn entgegen.

    Der Studierendenrat Tübingen teilt die Haltung der Universität, dass durch die Stadtbahn entstehenden Probleme nicht zum Nachteil der Universität führen dürfen. Wir begrüßen daher die Maßnahmen zur Eindämmung der elektromagnetischen Felder sowie Erschütterungen und sehen die Stadt bzw. das Land in der Verantwortung, die dafür aufkommenden Kosten zu übernehmen. Das Gegenargument, die Stadtbahn sei in ein paar Jahren bereits eine veraltete Fortbewegungsmethode, sehen wir skeptisch. Um den Klimawandel zu stoppen, brauchen wir jetzt möglichst schnelle Maßnahmen und sollten nicht nur auf eventuell kommende zukünftige Technologie hoffen. Selbst wenn in den nächsten Jahrzehnten autonom fahrende Taxis den ÖPNV ergänzen werden, wird die Stadtbahn weiterhin ökologischer und preiswerter sein. Zudem kann die Stadtbahn zu Stoßzeiten wie etwa dem Vorlesungsbeginn viel mehr Leute auf einmal transportieren als der öffentliche Individualverkehr. Darüber hinaus bietet die Stadtbahn dank der Reduzierung des Autoverkehrs die Möglichkeit, die Wilhelmstraße und die Mühlstraße endlich wieder attraktiver für Radfahrer*innen zu machen. Wir begrüßen Konzepte wie die PKW-freie Wilhelmstraße und Mühlstraße und die damit verbundene Lärmreduzierung auf dem Tal-Campus.

    Der Studierendenrat ruft die Student*innen dazu auf, sich zu informieren, und sofern sie berechtigt sind, an der Abstimmung teilzunehmen. Die Entscheidung für oder gegen die Innenstadtstrecke hat weitreichenden Einfluss auf das Leben der zukünftigen Student*innen in Tübingen.

  • Stellungnahme: Die Zukunft des Studio Literatur und Theater

    Die Mitglieder des Studierendenrats stimmten am 19. Juli 2021 folgender Stellungnahme mehrheitlich zu.

    Der Studierendenrat kritisiert das Vorgehen der Universitätsleitung im Umgang mit der Zukunft des Studio Literatur und Theater (SLT) und fordert das Rektorat zu folgenden Punkten auf: Die Stelle als Leitung des SLT ist umgehend neu auszuschreiben und der Vorgang der Neubesetzung transparent, fair und im Verhältnis zur Geschichte des SLT durchzuführen. Des Weiteren sollen wieder Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, um die Sichtbarkeit des SLT wiederherzustellen. Abschließend soll eine angemessene Verabschiedung der amtierenden Leiterin, Dagmar Leupold, stattfinden. 

    Nach 17 Jahren Lehr- und Gestaltungstätigkeit tritt Frau Leupold von ihrer Stelle als Leitung des SLT zurück und geht Ende des Sommersemesters 2021 in Rente. Ein Antrag auf Verlängerung von Frau Leupolds Stelle um zwei Semester, um einen fließenden Übergang zur nächsten Leitung zu ermöglichen, wurde abgelehnt. Studierende am SLT hatten bereits zu Beginn des Semesters, unter anderem mit einer Petition für den Erhalt des SLT in seiner aktuellen Form, das Rektorat zu einer Neuausschreibung der Stelle aufgefordert. Im April veröffentlichte das Rektorat schließlich eine Pressemitteilung, laut der eine Neuausschreibung der Stelle von Frau Leupold nie in Frage gestanden hätte. Bei einem darauf folgenden Gespräch mit Karin Amos, der Prorektorin für Studium und Lehre an der Universität Tübingen, wurde den Studierenden eine Ausschreibung spätestens Mitte Juni 2021, sowie Mitspracherecht beim Verfassen dieser versprochen. Weder diese Ausschreibung, noch ein Entwurf liegen bisher vor. Des Weiteren wurden die derzeitigen Büroräume des SLT an andere Einrichtungen vergeben. Auf die Rückfrage, wohin das SLT umziehen soll, bleibt die Antwort ebenfalls aus.
    Daraus kann nur geschlossen werden, dass das Rektorat nicht Willens ist, die Stelle zum Wintersemester neu zu besetzen. 

    Das Studio Literatur und Theater ist seit 1997 eine Einrichtung der Universität, die der künstlerischen Ausbildung dient. Studierende aller Fachbereiche können hier Kurse zu den diversen Formen des nicht- wissenschaftlichen Schreibens belegen. Neben den Studio-eigenen Seminaren zu Prosa, Lyrik, szenischem Schreiben usw. bietet die Arbeit von Gastdozenten vielfältige Möglichkeiten der Horizonterweiterung. Lehrbeauftragte sind regelmäßig Autorinnen und Autoren, Theater-, Verlags- und Rundfunkprofis. Im Mittelpunkt steht zwar das eigene kreative Schreiben der Studierenden. Dazu gehört aber auch die Umsetzung, die Präsentation. Auf der Theaterbühne, im Rundfunkstudio oder auf dem Lesepodium wird das Erarbeitete ausprobiert und öffentlich vorgetragen. Das Studio Literatur und Theater kooperiert hierzu unter anderem mit dem Landestheater Tübingen, dem Tübinger Zimmertheater, dem Hölderlinturm, der Uniwelle und dem SWR.

  • Finanzielle Situation während der Corona Pandemie – Ergebnisse unserer Semesterumfrage

    Semesterumfrage: Corona-Pandemie verschärft finanzielle Probleme der Studierenden 

    Unser Arbeitskreis Soziales hat die Semesterumfrage weiter ausgewertet. Heute kommen die Ergebnisse zur finanziellen Situation von Studierenden während der Corona-Pandemie.

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